Rückblick: Studientage Deutsch zur Digitalisierung des Fremdsprachenunterrichts

Auch wenn die Studientage nun schon seit einer Woche der Vergangenheit angehören, möchte ich noch einmal auf sie zurück kommen. Rückblickend kann man sagen, dass die Veranstaltung „Digitalisierung des Fremdsprachenunterrichts“ mit dem Thema „Wie viel Internet und Digitalisierung braucht der Fremdsprachenunterricht?“ ein großer Erfolg war. An drei Tagen trafen sich über 140 kroatische Lehrer aus Grund- und „Mittelschulen“ (hier Gymnasien und Berufsschulen) und besuchten Vorträge, Seminare und Workshops, die zum großen Teil parallel organisiert wurden. Die Teilnehmer kamen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen zu den Studientagen. Die meisten wollten sich über das Thema informieren lassen, nur wenige hatten bis jetzt digitale Medien im Unterricht eingesetzt.

Zu den Workshops

Axel Krommer
Axel Krommer

Professor Dr. Jörg Roche von der LMU berichtete über lernpsychologische und interkulturelle Aspekte der digitalen Medien im Unterricht. Axel Krommer zeigte wieder sehr praxisnah seine Vorstellungen von der „Demokratisierung des Beamers“ und Einsatzszenarien von Flipped Classroom (auch „Umgedrehter Unterricht“ genannt) im Fremdsprachenunterricht. Die Teilnehmer konnten ihr erworbenes Wissen gleich anwenden und so sind erste Videos für eigene DaF-Stunden entstanden.

Das folgende Bild am Eingang des Saals des GI Zagreb hat Axel besonders gefreut,😉 hatte aber bei der Umsetzung seiner Ideen keine Rolle gespielt.

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Es zeigt aber ein grundlegendes Problem, vor dem nicht nur kroatische Schulen stehen. Der Umgang mit dem Handy war das mit am meisten kontrovers geführte Thema der Veranstaltung. Für mich ein „Nebenschauplatz“ der aktuellen Diskussion zu digitalen Medien an Schulen, aber das Thema scheint nicht nur in Deutschland die Gemüter zu erhitzen. Aufgabenorientierung und digitale Medien Aus dem Impulsvortrag von Axel möchte ich ein Problem hervorheben, das besonders im Fremdsprachenunterricht kontrovers diskutiert wird. In einem Video unterlegt er ein beliebtes Educational Application (hier LearningApp) mit dem Original-Kommentar Skinners aus dem Jahr 1954. http://youtu.be/SYzcCJ0SMBQ Damit macht er in anschaulicher Weise auf die Problematik des sinnvollen Einsatzes digitaler Medien im Fremdsprachenunterricht aufmerksam. In der Zeit, wo Fremdsprachenunterricht aufgabenorientiert gedacht wird, sollten digitale Medien auch dazu dienen. Natürlich kann man einwenden, dass für bestimmte Übungsphasen, der Einsatz von Einsetzübungen o.ä. in elektronischer Form sinnvoll sein können. Aber die Beliebtheit dieser Online-Übungsformen bei Lehrern lassen vermuten, dass die Unterrichtsrealität eine andere ist. In diesem Zusammenhang möchte ich zwei Sätze zitieren, die dieses Problem plastisch darstellt:

„Wenn du willst, dass deine Lerner lernen, grammatische Endungen in Lücken einzufüllen, dann bring ihnen bei, grammatische Endungen in Lücken einzufüllen.“ „Wenn du willst, dass sie lernen, sinnvolle Dinge auf Deutsch zu sagen und zu schreiben, bringen ihnen bei, sinnvolle Dinge auf Deutsch zu sagen.“

(Leider konnte ich nicht herausfinden, von wem das Zitat stammt.)

Weitere Workshops

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Thomas Strasser

Eine Bereicherung der Studientage war ein Gast aus Wien, der leider nur am ersten Tag teilnehmen konnte. Thomas Strasser zeigte selbst umgesetzte Beispiele aus der Unterrichtspraxis, die von den meisten Kollegen als sofort umsetzbar und sinnvoll einsetzbar (ein)geschätzt wurden. Seine Präsentation findet man hier: www.learning-reloaded.com/presentations Wir hoffen, dass es nicht sein letzter Besuch in Zagreb war.

Hier seine aktuelle Präsentation mit vielen Folien, die auch schon in Zagreb zu sehen waren:

Auch ich habe zwei Workshops durchgeführt. Die Planung und Dokumentation findet man im DaF-Wiki: • Wiki im Fremdsprachenunterricht – Möglichkeiten und Grenzen Wordle & Co Unterrichtsideen für den Fremdsprachenunterricht

Digitale Medien im Fremdsprachenunterricht

Podiumsdiskussion zum Abschluss der Studientage
Podiumsdiskussion zum Abschluss der Studientage

Abgeschlossen wurden die Studientage durch eine Podiumsdiskussion zum Leitthema der Veranstaltung „Wie viel Internet und Digitalisierung braucht der Fremdsprachenunterricht?“ Dabei wurde deutlich, dass eine große Verunsicherung unter den Lehrern herrscht, was den Einsatz digitaler Medien in der Schule angeht. Diese Verunsicherung ist rechtlicher Art, beruht auf persönliche Vorbehalte dem Thema gegenüber, hat ihre Gründe in der Angst vor Kontrollverlust, vor unzureichendem Wissen oder Können auf der eigenen Seite und dem Vorsprung auf dem Gebiet, den scheinbar die Schülerinnen und Schüler besitzen. Was fehlt ist ein sicherer „bildungspolitischer Rahmen“ in dem sich die Lehrer bewegen können, sind methodische Konzepte, die in der Lehreraus und –weiterbildung vermittelt werden müssten und natürlich die technische Ausstattung der Schulen.

Ich bin mir sicher, dass die Zukunft zeigen wird, dass diejenigen Lehrer, die heute guten Fremdsprachenunterricht machen, lerner- und aufgabenorientiert arbeiten und ihre Schüler für das Lernen begeistern können, dies auch mit digitalen Medien tun werden. Dass digitale Medien die Schule verändern wird, ist voraussehbar. Nur haben noch nicht alle in der Gesellschaft erkannt, dass die Zukunft bereits begonnen hat.


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