Würden Sie mit einem Tisch reden? – Erfahrungsberichte prominenter Fremdsprachenlerner


Natürlich würden die meisten Leser diese Frage verneinen. So absurd wie sie klingt, so aktuell ist sie immer noch für den Fremdsprachenunterricht. Angeregt durch die Lektüre von Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ (Carl Hanser Verlag, 2014) bin ich auf diese (Tisch-)Frage gestoßen. Im Roman gibt der Autor (sicherlich mit schriftstellerischer Freiheit) ein Erlebnis des jungen Winston Churchill wieder.

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Winston Churchill C. Taken from „Life and Time of Winston Churchill“ Odhams Press Public Domain

Winston Churchill – Die Sache mit dem Tisch

Dieser sollte im Lateinunterricht die Deklination von „mensa – der Tisch“ auswendig lernen und sich Anwendungen [immerhin] ausdenken. Am Vokativ „O Tisch! scheiterte der junge Winston, worauf der Lehrer (in Köhlmeiers Buch der Direktor) ihm erklärte: „Du benützt den Vokativ in einem Gespräch mit dem Tisch. Wenn du mit dem Tisch sprichst oder ihn anrufst, zum Beispiel: o Tisch, bleib stehen! Dann musst du den Vokativ verwenden.“ (Aus: Michael Köhlmeier, Zwei Herren am Strand. Roman. Hanser, München 2014, S.38-40) Grundlage des Dialoges sind die Jugenderinnerungen Winston Churchills („My Early Life“). Die beschriebene Episode findet man auch in einem Spiegelartikel von 1959 im Netz. Zitat: „Du benutzt diese Form“, erläuterte der Lehrer, „wenn du zu einem Tisch redest.“ Churchill erwiderte „in ehrlicher Verblüffung“: „Das tue ich aber nie.“ Köhlmeier erweitert den Dialog um ein interessantes Detail, indem er den Direktor das Gespräch beenden lässt: „Du musst! In dieser Schule musst du!“
Nun kann man entgegnen, das sei alter Lateinunterricht – Grammatik-Übersetzungsmethode. Aber so weit ist das Beispiel von so mancher schulischen Realität nicht entfernt. Was kann man aus diesem Beispiel herauslesen?
Antworten könnte man mit folgenden Fragen finden:

  • Hat diese Aufgabe etwas mit der Lebenswelt der Lernenden zu tun bzw. ermöglicht sie zukünftige lebensweltliche Handlungen?
  • Zielt die Aufgabe auf die Lösung einer inhaltlichen Fragestellung mit sprachlichen Mitteln?
  • Ist die Aufgabe auf das Erreichen eines (kommunikativen) Zieles hin orientiert?

Bleibt die Frage: Was ist das für eine Schule, wo man mit einem Tisch sprechen soll/muss? Bestimmt keine die kompetenzorientiert unterrichtet und den Lerner in den Mittelpunkt stellt.

Was macht ein Vogel bei Regen in der Schmiede?

Weiter geht es mit den Erfahrungen eines berühmten Deutschlerners. Hier seine Erfahrungen zum Thema Deutsch-Lehrbuch:

„Zum Beispiel fragt mein Buch nach einem gewissen Vogel (es fragt immerzu nach Dingen, die für niemanden irgendwelche Bedeutung haben): „Wo ist der Vogel?“ Die Antwort auf diese Frage lautet – gemäß dem Buch –, dass der Vogel in der Schmiede wartet, wegen des Regens. Natürlich würde kein Vogel so etwas tun, aber ich muss mich an das Buch halten.“

Erkannt? Es ist der berühmte amerikanische Schriftsteller, der über das Erlernen der deutschen Sprach schrieb:

„Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann.“

Es ist Mark Twain in seinem Buch „Die schreckliche deutsche Sprache“(hier als PDF).

1907
1907

Was leider zu selten erwähnt wird, ist die Tatsache, dass Twain seine Betrachtungen aus einer satirischen Perspektive heraus macht. Sehr gut nachzulesen hier: „Der erfolgsgewöhnte Schriftsteller zog seine Schlüsse aus seinen Erfahrungen mit der „schrecklichen deutschen Sprache“, indem er nach einer Testphase von neun Wochen entnervt aufgab – nicht ohne vorher ein paar kauzige „Reformvorschläge zu machen, die die deutsche Sprache handhabbarer machen und künftigen Generationen das Erlernen erleichtern sollten.“

(Quelle: http://www.goethe.de/ins/cn/lp/dll/ks/de6971981.htm)

 

Aber zurück zum Vogel, der in der Schmiede wartet. Besser kann man die Absurdität mancher Lehrbuch-Aufgaben nicht ausdrücken. Zum Glück werden sie immer seltener, aber sind sie wirklich schon in jedem Land verschwunden? Und so mancher Lehrer wird an dem Satz: „ …, aber ich muss mich an das Buch halten.“ bis heute nichts Ungewöhnliches finden. Die Folgen eines solchen Fremdsprachenunterrichts beschreibt sehr anschaulich Peter Bichsel:

„Ich bin ein Opfer – ein Opfer des Französischunterrichts.

„Ich bin ein Opfer – ein Opfer des Französischunterrichts. Nicht etwa nur, dass es der Schule nicht gelungen wäre, mir Untalentiertem diese Sprache beizubringen – dieser Schaden wäre erstens reparabel, und zweitens ist er mir in anderen Fächern auch passiert – aber die Schule hat mir in diesem Fach etwas viel Schlimmeres angetan: sie hat mir diese Sprache für immer verbaut. Ich wage nicht mehr, mir in dieser Sprache Fehler zu leisten. Ich würde es psychisch nur schwer überstehen, mich in dieser Sprache auch nur noch ein einziges Mal zu blamieren.“

(Auszug aus: Peter Bichsel, Erfahrungen beim Fremdsprachenlernen. In: Peter Bichsel, Schulmeistereien, © Suhrkamp Verlag Frankfurt 1998. Der Text stammt aus dem Jahr 1979. online Quelle-PDF S. 203-206)

Auch dieses Beispiel zeigt, wie wichtig eine guter, motivierender Unterricht ist, nicht für jeden einzelnen Fremdsprachenlerner, sondern vor allem für die Attraktivität ergo für die Werbung für Fremdsprachen und nicht zuletzt für das lebenslange Lernen. Bichsel spricht sogar von einer (persönlichen) Befreiung: „Die Fremdsprache – und das ist ihr Wert an und für sich – befreit mich oder gibt mir zum mindesten, und das ist schon viel, die Illusion von Befreiung: ein Stück Emanzipation.“ (Ebenda) Dieses Stück Emanzipation sollte durch den Fremdsprachenunterricht gefördert werden. Die Art von Grammatikvermittlung, die Bichsel folgendermaßen beschreibt, gehört sicher nicht dazu: „… Grammatik dient nicht mehr dazu, die Sprache zu erfassen, sondern die Sprache dient dazu, eine Grammatik zu erklären, die sich selbständig gemacht hat. Wer versucht, eine Sprache total – mit all ihnen Ausnahmen – zu vermitteln, vermittelt sehr schnell totalen Blödsinn.“ (Ebenda)
Und hier sieht er vor allem den Lehrer und die Unterrichtsmittel in der Verantwortung:

„Aber warum hat mir kein Lehrer und kein Lehrmittel gesagt, was wirklich erforderlich und was dagegen eher nur wünschenswert ist und was man sich schenken kann?“

(Ebenda)
Mit Bichsel möchte ich auch den Exkurs durch die Erfahrungsberichte prominenter Fremdsprachenlerner beenden:

„Man blamiert sich mit Fehlern viel weniger als mit geschraubter Grammatik!“

PS
Man könnte hier auch noch Schliemann nennen, der eine eigene Methode entwickelte und damit immerhin 20 bis 30 Fremdsprachen erlernt haben soll und natürlich viele viele andere.

Oder dann doch lieber die Loriot-Methode, die auf witziger Art und Weise zeigt, wie Fremdsprachenunterricht nicht aussehen sollte:

 

Neujahrswünsche in der deutschen Sprache


Als ich vor Jahren in Ungarn lebte, fand ich den Neujahrswunsch „BÚÉK“ ungemein praktisch. Dieser setzte sich aus den Worten „Boldog Ùj Èvet Kívánok!“ zusammen, was so viel wie „Glückliches neues Jahr (wünsche ich)“ bedeutet. Die kurze Form ermöglicht es auch Nicht-Ungarn, den Neujahrswunsch mehr oder weniger korrekt vorzutragen, auch wenn der Alkoholspiegel sich schon der kritischen Grenze nähert.

Eine Wunschformel für ein positives neues Jahr zum Beginn des neuen Jahres kennt natürlich auch die deutsche Sprache. Nur gibt es hier (wie so oft) regionale Unterschiede. Nachzulesen sind diese im  „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ (www.atlas-alltagssprache.de). Ziel des Projektes ist es, „die aktuelle Vielfalt des Deutschen zu erfassen und anschaulich auf Karten darzustellen“.

Nachtrag: Der Atlas zur deutschen Alltagssprache hat die Ergebnisse veröffentlicht. Die Karte findet ihr hier: http://www.atlas-alltagssprache.de/r8-f1a-b-2/

Bei der Umfrage zu den Neujahrswünschen unterscheidet der Atlas zwischen dem Zeitpunkt des Neujahrswunsches: a) in der Silvesternacht um 0:00 Uhr, wenn man auf das neue Jahr anstößt und b) für den Wunsch am 1. Januar.

Die Varianten reichen in der Silvesternacht (von Nord nach Süd) von „Frohes neues Jahr“, „Prosit Neujahr“,  „Gesundes neues (Jahr)“ und „Gutes neues (Jahr)“ (Österreich).

Im zweiten Teil geht es um den Wunsch am 1. Januar. Hier gibt es vor allem für die Gebiete eine Veränderung, wo es in der Silvesternacht „Prost“/“Prosit“ (Wunschformel: „Es möge nützen“ bzw. „Es möge zuträglich sein“) heißt. Diese werden meist durch benachbarte Varianten, wie „Gesundes neues Jahr“, ersetzt.

Wer Lust auf mehr bekommen hat, der findet im „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ eine kurzweilige Reise durch die Varianten der deutschen Sprache und wer aus den drei deutschsprachigen Ländern kommt, der kann an der neuen Umfrage (Neunte Runde) teilnehmen, indem er den Online-Fragebogen ausfüllt.

Ich wünsche allen Leser des Blogs, ein gesundes, glückliches und frohes neues Jahr!

Neujahr

Links:

Siehe auch im Blog:

Beeinflussen Migranten die deutsche Sprache?


Der Podcast „Ohrensausen“ von Wissen.de geht diesmal der Frage nach, ob Migranten langfristig Einfluss auf die deutsche Sprache haben oder diese sogar verändern.

  • Wie stehen Integration, Sprache und Identität zueinander? Einen Beitrag der wissen.de-Autorin Dorothea Schmidt:

Folge 103: Migrantensprache [16:03m]: Hide Player | Download

Weitere Informationen zum Thema Integration: www.wissen.de/integration

Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache


Der Wihajster tauchte 1965 in einem polnischen Wörterbuch auf, als Bezeichnung für „einen gewöhnlich kleinen Gegenstand, dessen Bezeichnung dem Sprechenden nicht geläufig ist bzw. im Moment nicht einfällt“.

Das Zitat stammt aus einem wunderbaren Artikel auf Spiegel-Online, der die Perspektive auf eingewanderte Wörter einmal umdreht. Er verweist auf das Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache der Universität Oldenburg, welches man jetzt gratis im Web einsehen kann. Dazu gibt es ein Quiz, bei dem man erraten soll, in welcher Bedeutung das deutsche Wort im Polnischen gebraucht wird. Einige Wörter kann man auch im DaF-Unterricht raten lassen. Macht wirklich Spaß! Also, dann mal los:

Was bedeutet im Polnischen das aus dem Deutschen entlehnte Wort Ablegier?

Aus deutscher Perspektive hier im Blog: Ein ungarisches Wort ist das „beste“ eingewanderte Wort natürlich gibt es dazu auch ein Quiz auf SPIEGEL ONLINE: IMPORTDEUTSCH-QUIZ: „Bloß keine Fisimatenten!“

Jiddisch – eine westgermanische Sprache


Als ich heute die Sendung Alltagsdeutsch „Dufte! – Jiddische Wörter im Deutschen“ der Deutschen Welle hörte, musste ich an meine Zeit als Programmlehrer in Baranowitschi in Weißrussland denken. Vor zehn Jahren lernte ich dort einen der wenigen Überlebenden der Judenverfolgung dieser Stadt kennen. Roman rettete sich als Gymnasiast auf einem Fahrrad vor den anrückenden Deutschen. Als er 1944 zurückkehrte, musste er feststellen, dass die Faschisten seine gesamte Familie umgebracht hatten. Ironie der Geschichte – Er heiratete eine Deutsche. Damals verständigten wir uns auch mit vielen jiddischen Wörtern. Da Roman jiddische Musik liebte, schenkte ich ihm eine Kassette mit Liedern der Gruppe „Aufwind“.

Was ist eigentlich Jiddisch?

… ist eine westgermanische Sprache mit hebräischen und slawischen Elementen, die üblicherweise in hebräischen Schriftzeichen geschrieben wird. Jiddisch ging zur Zeit des Hochmittelalters aus dem Mittelhochdeutschen hervor und ist allgemein auch heute noch der deutschen Sprache und deren Mundarten sehr nahe. Es wird von etwa drei Millionen Menschen, größtenteils Juden, auf der ganzen Welt gesprochen. Vor dem Holocaust gab es etwa 12 Millionen Sprecher, die meisten davon in Ostmittel- und Osteuropa. Heutzutage sprechen neben älteren Menschen aller jüdischen Glaubensrichtungen vor allem chassidische Juden Jiddisch als Umgangssprache.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jiddisch

Interessant, dass in den 1920ern und 1930ern  Jiddisch einige Jahre lang neben dem Russischen, Weißrussischen und Polnischen Staatssprache im sowjetischen Weißrussland war. Man nimmt an, dass im Jiddischen 78% Deutsch enthalten ist. Aber auch im Deutschen sind heut noch viele Wörter (etwa 1000) aus dem Jiddischen gebräuchlich. Hier einige Beispiele: Wörter aus dem Jiddischen

Dazu ein von mir erstelltes Wordle:

Jiddisch

Erklärungen zu vielen der hier verwendeten Wörtern findet man in dem oben erwähnten Beitrag der DW: „Dufte! – Jiddische Wörter im Deutschen“:

Meschpoke – Malochen – Schmusen: Die deutsche Sprache wartet mit ganz vielen Wörtern auf, die aus dem Jiddischen stammen. Entstanden ist das jüdische Deutsch im Mittelalter, um sich vom Hebräischen abzusetzen.

Auch ein sehr guter Bericht zu diesem Thema ist auf YouTube zu finden. What the fuck is Bairisch? – Jiddisch 1/3

Die österreichischen-bairischen Dialekte haben mit der jiddischen Sprache mehr gemeinsam als man meint. Zum einen sind viele jiddische Wörter in den Dialekt gewandert, wie Beisl, Hawara, Masn, Zores oder Bahö. Zum anderen ist das Jiddische selber nah mit den alten Dialekten verwandt, zu denen es sogar noch mehr Gemeinsamkeiten als wie zum modernen Hochdeutsch gibt.

Weitere Links:

Und zum Abschluss noch ein schöner Spruch aus dem Jiddischen:

„Ein Mensch soll leben – schon nur der Neugierde wegen.“

Nachtrag_1-DW über ein häufig im Deutschen gebrauchtes Wort:  Wort der Woche: Schlamassel – die Folge hören (MP3)

Nachtrag_2-FAZ: (30.09.2015) Deutsche Wörter im Hebräischen – „Bienenshtish gegen den Weltshmerts“

Endlich Wiki und twittern im Duden


Habe ich zwar schon getwittert, aber hier sind noch einmal die Links:

u.a. twittern, Wiki, Web 2.0, Internetfernsehen und entpacken.

Und ergänzend aus einem kritischen Artikel der SZ:

Jenseits von Duden

Details sind auch die 5000 Wörter, die dem „Duden“ für die jüngste Ausgabe hinzugefügt wurden. Wer braucht eine Schreibung für „twittern“, wenn doch gleichzeitig das nicht minder häufige „aufstellen“ – in Sinne von: „wir sind gut aufgestellt“ – gar nicht vorkommt, dafür aber die „Flurhüterin“ und die „Agioteurin“? Nein, auch der „Duden“ dokumentiert nur einen Ausschnitt der deutschen Sprache. Deren Grenzen sind letztlich willkürlich gewählt – und Stilvorschriften sind nicht Aufgabe eine Wörterbuchs. Gleichzeitig wird aber durch diese Auswahl deutlich, worauf es der Redaktion ankommt: auf die Durchsetzung oder auch Wiederherstellung einer Autorität. Demselben Zweck dient offenbar die scheinbare Überwindung des Variantenreichtums, den die Rechtschreibreform hinterlässt, durch die Vorlieben der Redaktion. An Autorität hat der „Duden“ tatsächlich viel verloren. Aufrechterhalten lässt sie sich eigentlich weniger mit dem Buch als mit dem damit verknüpften Korrekturprogramm für Computer: also dann, wenn man die Rechtschreibung nicht mehr dem eigenen Kopf, sondern einem Automatismus überlässt.

Zitat aus: http://mobil.sueddeutsche.de/inm/sz/10lujaglg73rb

Machen


Das Wort „machen“ wirkt harmlos und bescheiden. Dennoch verfügt es über eine gehörige Portion Macht, weil sich mit ihm mehr machen lässt als man vermuten mag. Ein Nachteil: Es macht der Verben-Vielfalt den Garaus!

„Die Macht des Machens“ eine sehr gute Sendung  der Deutschen Welle: Alltagsdeutsch

Zitat:

Zu bedenken ist, dass ein differenzierter Wortschatz auch Träger kulturellen Erbes ist. Wer nur auf das Verstehen eines Textes achtet und deshalb die einfachere Ausdrucksweise bevorzugt, fügt seiner Sprache mit der Zeit Verluste zu. …Gewarnt sei aber auch vor Übertreibungen. Wer ein gutes Deutsch schreiben und sprechen will, muss das Wort machen nicht zwangsweise vermeiden. Er läuft sonst Gefahr, sich gestelzt auszudrücken.

Herkunft aus Wiktionary:

Aus indoeuropäisch *mag- „kneten“. Verwendung in handwerklichen Sonderbereichen. Die allgemeine germanische Bedeutung, bauen, könnte auf „Wände mit Lehm verschmieren“ zurückgeführt werden. Indoeur.: *mag- ist griechisch μάσσω (másso): ich knete, altslawisch mazati bestreichen; bretonisch meza kneten.

westgermanisch: althochdeutsch machôn, mittelhochdeutsch machen; altsächsisch altnfr. macôn, niederdeutsch, niederländisch maken; friesisch makia, angelsächsisch macian, englisch make; ins Isländische und Schwedische als maka, ins Dänische als mage entlehnt. Präteritum: althochdeutsch machôta, Konjunktiv machôti, mittelhochdeutsch machete, machte.

Noch mehr Beispiele:

Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig: http://wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=machen

DWDS:http://www.dwds.de/?kompakt=1&qu=machen

Die Rose – die Königin unter den Blumen


Die Rose ist ein Sinnbild für Schönheit und Liebe. Besungen und gemalt, umgibt sie immer ein Hauch des Mystischen. Die Dornen werden dabei aber meist vergessen.‎

So beginnt das neue Stichwort der Deutsche Welle (22.06.2009)

Rose

Das Thema Blumen habe ich hier im Blog schon im Beitrag Blumen sagen mehr als 1000 Worte – 100 Jahre Fleurop näher beleuchtet. Das aktuelle Stichwort geht vor allem auf die Bedeutung der Rose in Alltag und Kunst ein. Die Sendung beschreibt die Rose als Symbol der Liebe:

Die Rose ist die Blüte der Liebe, die Blume der Freude, Ausdruck der Jugendfrische. Was Wunder, dass die Rose, zumal die tiefrote, der Geliebten überreicht wird, dass die rosenroten Lippen, der rosige Teint, die rosaroten Wangen den Mädchen und Frauen vorbehalten sind.

und berichtet aus der Zeit, als der

Rosenkranz, … unter dem lateinischen Namen „rosarium“ Eingang in die christlich-katholische Religion gefunden hat.

Es ist wie immer möglich, die Sendung als Audio zu speichern: Stichwort: Rose – die Folge hören (MP3)‎ und es gibt den Text und dazu Übungen zum Ausdrucken als PDF.

Was ich als in der Botanik Unkundiger noch nicht wusste, dass die Rose streng botanisch gesehen keine Dornen, sondern Stacheln hat.

Trotzdem bleibt folgendes Lied der Gruppe Renft eines meiner Lieblingslieder, auch des Textes wegen. Ich finde, mit der geeigneten DaF-Lerngruppe kann man es auch im Unterricht einsetzen. Das Lied beginnt mit folgenden Zeilen:

Wer die Rose, wer die Rose ehrt
Der ehrt heutzutage auch den Dorn
Der zur Rose noch dazu gehört
Noch so lang, so lang man sie bedroht

vollständiger Text hier ->

Hier fällt die Wiederholung des (vielleicht heute schon etwas altmodisch erscheinenden Begriffs: ehren auf

In Wiktionary findet man folgende Bedeutungen:

[1] jemandem hoch schätzen; Hochachtung zeigen
[2] etwas ehrt jemanden: etwas beweist den Wert einer Person
[3] achten, respektieren

Ich würde es folgender Bedeutungsgruppe zuordnen:

begrüßen, bejubeln, besingen, ehren, empfangen, huldigen, jubeln, preisen, rühmen, vergöttern, verherrlichen

aus dem Wortschatzportal der UNI-Leipzig

  • Was bedeutet das Sprichwort: Aber keine Rose ohne Dornen ?
  • Wie erklärt das Lied die Frage, warum Rosen Dornen haben?

Hier kommt nun das Lied. Achtet bitte auf das Ende!

Am Ende heißt es:

Einmal wirft sie ihn ab, Einmal wirft sie ihn ab

Das wird sein, wenns sein wird
Und Mensch ehrt den Menschen

Wann kann der Zeitpunkt kommen, dass die Rose ihre Dornen verliert?

Interessant für den Unterricht kann auch die Information über die Band „Renft“ (richtiger Name: Klaus Renft Combo) sein, die in der DDR Kultstatus besaß. 1975 wurde sie verboten und später verließen einige Bandmitglieder das Land. Erst 1990 fand sich die Band zu einer Wiedervereinigungs-Tournee wieder zusammen.

Die offizielle Band-Seite findet man hier: http://www.renft.de/

Hier noch als Zugabe „Gänselieschen“ – auch eines meiner Lieblingslieder dieser Band:

Uns’re LPG hat 100 Gänse,
und ein Gänselieschen – das ist meins.
Jeden Morgen ziehn sie auf die Wiese,
100 Gänse und die Hunderteins.

Als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, LPG, wird der Zusammenschluss von Bauern und Bäuerinnen und deren Produktionsmitteln, sowie anderer Beschäftigten zur gemeinschaftlichen agrarischen Produktion in der DDR bezeichnet. Landwirtschaftliche Genossenschaften waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den sozialistischen Staaten Europas weit verbreitet. aus Wikipedia

Trecker hier Traktor

Volkseigentum: In den 1980er-Jahren war etwa 98 Prozent des gesamten Produktivvermögens der DDR volkseigen, darunter etwa 8000 volkseigene Betriebe und Kombinate, die den Titel VEB führten. Vollständig in Volkseigentum in diesem Sinn überführt wurden in der DDR Bodenschätze, Bergwerke, Gewässer, Naturreichtümer, Kraftwerke, Banken, Versicherungen, Transportmittel, Verkehrswege, Luftfahrt, Schifffahrt, Post- und Fernmeldewesen sowie letztlich alle Industriebetriebe. 50 % der Liegenschaften standen im Volkseigentum. Dazu kamen noch andere, oftmals landwirtschaftlich genutzte Flächen, die Gegenstand sonstigen sozialistischen Eigentums waren.

aus Wikipedia

Der Einfluss von Schreibwerkzeugen auf den Sprachgebrauch


Interessanter Artikel auf den Seiten des Goethe Instituts:

Der Einfluss von Schreibwerkzeugen auf den Sprachgebrauch

Das Deutsche verkümmert, beklagen Sprachwächter seit Jahren. Schuld ist der Computer. Wirklich? Macht es sprachlich einen Unterschied, mit welchem Schreibwerkzeug ein Text geschrieben wird: mit Stift, Schreibmaschine oder am Computer?

unfertig und schnell hingewischt

„Es ist ein Trugschluss der Computerschreiberei, zu denken, dass man schnell etwas hinschreibt und es später korrigiert“, sagt er. „Das tun die wenigsten.“ Da er auf Papier schreibt, überlege er länger und begnüge sich nicht mit der erstbesten Formulierung. Stereotypen wie „eine nachdenkliche Miene“ oder „ein verschmitztes Lächeln“ könne er durch diese Arbeitsweise vermeiden. „Solche Standard-Formulierungen fließen beim flotten Schreiben am Rechner schnell ein“, sagt Prosinger, auf den Texte, die am Computer geschrieben sind, oft „unfertig und schnell hingewischt“ wirken. „Der Computer verführt dazu.“

Und im Wiki????

Es ist jedenfalls ein ernstzunehmendes Argument, das man beim kreativen kooperativen Schreiben beachten sollte. Auch hier gilt: Die richtige Mischung machts!

Neustes aus der Szene: szenesprachenwiki.de


Eine tolle Idee! Man sammelt in einem Wiki Vorschläge für die aktuelle Ausgabe des  Szenesprachen-Dudens. Dieser erscheint bereits seit 2000 und bedarf unbedingt einer Aktualisierung. Für uns Lehrer ein gutes Werkzeug unsere Schüler besser zu verstehen bzw. im DaF-Unterricht auch die aktuelle Jugendsprache einzubeziehen. (oder einfach nur die Schüler:

bespaßen

Wortart

  • Verb (Tunwort)
Bedeutung
  • Jemanden auf lustige Weise (aber evtl. lustlos) unterhalten, jemandem einen Spaß angedeihen lassen
Beispiele
  • Damit das kleine Kind nicht ständig schreit, muss es regelmäßig bespaßt werden…

700 bis 1000 Wörter sollen ins Buch aufgenommen werden, Wörter, die „einerseits tatsächlich verbreitet sind, andererseits aber noch nicht in traditionellen Wörterbüchern verzeichnet sind“. Das neue Wörterbuch solle Wörter erklären, „die breiten Kreisen der Sprachgemeinde wirklich neu sind“. Altbackene Begriffe sollen also tabu sein – ein absolutes „NoGo“. aus FR-ONLINE

Beispiele:

„Blogorhö“ (unkontrollierte, durchfallartige Geschwätzigkeit im Internet – wie Diarrhö; neuerdings auch: „Twitterhö“)

„Castingopfer“ (Menschen, die zum „Fremdschämen“ schlecht singen und sich trotzdem bei TV-Castingshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ bewerben und blamieren).

Auch ohne Zusatz hat das Wort „Opfer“ in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere gemacht. Teenager-Dialog in der Straßenbahn einer deutschen Großstadt: „Gehst Du heute Training?“ – „Nein, ich schaff’s nicht.“ – „Du bist ja opfer.“ Das Wort bedeutet so viel wie „mies“ oder „extrem schlecht“. Es wird also nicht mehr nur als Substantiv, sondern auch als Adjektiv verwendet.

Entwicklung neuer technischer Begriffe:

„Youtuben“, „Twittern“, „Egogoogeln“ (selbstvergewissernde Suche nach sich selbst im Internet) oder aber „Cyberstalking“ (Recherchieren von anderen Personen im Internet, um mehr über sie zu erfahren).

Kofferwörter:

= zusammengezogene Begriffe wie etwa „Smirting“ (das Flirten unter Rauchern – seit „Smoker“ wegen der strengeren Gesetze ins Freie müssen), „smexy“ (gemorphed aus „smart“ (schlau) und „sexy“), „Crackberry“ (Crack und Blackberry verschmelzen zu der Sucht, ständig erreichbar zu sein) oder aber „Bankster“ (Mischung aus Banker und Gangster – im Zuge der Finanzkrise ein Wort für Banker, die moralisch schlecht handeln).

Zitate aus: aus FR-ONLINE

Hier geht es zum: http://szenesprachenwiki.de/words/verzeichnis/

Schon früher im Landeskunde-Blog beschrieben:

Alltagsdeutsch: Amtssprache


Da ich schon früher auf das Problem Behördendeutsch/ Amtssprache eingegangen bin, möchte ich die aktuelle Sendung Alltagsdeutsch der Deutschen Welle erwähnen:

Amtssprache

Umständlich ist sie überall auf der Welt: die Sprache von Ämtern und Behörden. Den Deutschen jedoch wird nachgesagt, dass sie in dieser Hinsicht wahre Meister sind – so dass wirklich niemand mehr etwas versteht.

Siehe auch den Post:

Komplimente


KomplimenteNa, welche Komplimente verstecken sich in diesem Bild (Wordle) ?

Wann und wie oft gebrauchen wir Komplimente? Ich bin damit sehr zurückhaltend. Für mich haben Komplimente viel von Schmeichelei und mir ist es eher peinlich, eins zu bekommen. Die Erwiderung eines Kompliments ist manchmal genau so schwer zu wählen wie das Kompliment selbst. Aber wie man sich zu Komplimenten verhält, ist wohl auch von Mensch zu Mensch anders und was dieses Thema für den DaF-Unterricht interessant macht, auch von Kultur zu Kultur.

Was versteht man unter einem Kompliment? In der Wikipedia ist zu lesen:

(Es) ist eine wohlwollende, freundliche Äußerung gegenüber einer anderen Person, die an dieser etwas hervorhebt, das demjenigen, der das Kompliment macht, an der anderen Person besonders gefällt bzw. positiv auffällt. Dies können sowohl Eigenschaften oder Leistungen sein als auch äußere Merkmale wie eine geschmackvolle Kleidungsauswahl oder die körperliche Beschaffenheit.

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kompliment

Aber welches  ist das beliebteste Kompliment der Deutschen? oder reagiert man in Japan anders auf ein Kompliment als hier? Diese und andere Fragen kann man im Quiz: Komplimente und was hinter ihnen steckt auf Zeit-Online lösen. Es macht nicht nur viel Spaß, auch die Lösungen sind überraschend. Oder wer weiß schon, welches Tier in Afrika als schmeichelhaft empfunden wird? Eine Lösung möchte ich hier schon mal veröffentlichen:
Wie viele Deutsche sind zufrieden mit den Komplimenten, die sie bekommen? (Quelle: Gloria Beck: Komplimente – Eine Gebrauchsanleitung)

Richtige Antwort: 87 Prozent

Sieht doch gut aus! 😉
Im Unterricht könnte ich mir folgende Szenarien vorstellen:
  • Komplimente erfinden, auch Nonsenskomplimente 😉
  • Komplimente interkulturell vergleichen
  • lustige Situationen erfinden, wo Komplimente (nicht) funktionieren
  • Hit-Parade entwickeln
Weitere Links:
Und natürlich gibt es auch ein Video zum Thema: Sportfreunde Stiller „Ein Kompliment“ (mit Text)

KUH- und MUHwörter


Nein, ich bin nicht durchgedreht. Aber wer eine lustige, abwechslungsreiche Übung für den Unterricht sucht oder vielleicht etwas für den  1. April, der findet auf der Seite www.kuh-online.de ein lustiges Sprachspiel.

Hier werden Wörter, die in der Schreibweise oder im Klang „Kuh“ oder „Muh“ ähneln, neu verfasst. Zum Beispiel wird aus Kugel – Kuhgel und so entstehen Wörter wie:  Kuhtsche, Kuhtter, Muhtter oder Muhtation

Weitere Wortkreationen hier: http://www.kuh-online.de/muh-kuh-w%F6rter.html

Ich habe es mit meinen Schülern ausprobiert. Es macht riesigen Spaß. Aus den neuen Wörtern kann man auch kleine (nicht ganz ernst gemeinte) Gedichte oder Geschichten schreiben.

Hier ein Versuch:

Kuhnst

Auf Kuhba stand Luise

Schon seit Tagen auf der Wiese.

Ihr Kuhmpel, den sie hatte.

War in Kuhweit bei ´ner Ratte.

„Nur die Kuhnst kann mich noch retten!“

Sprach sie unter Tränen.

Und sie malte ihre Ketten.

Kuhbistisch – muss man noch erwähnen.

Unesco-Atlas „Bedrohte Sprachen“


„Wenn Sprachen verstummen“ ist ein lesenswerter Artikel in Zeit-Online, welcher den aktuellen  Unesco-Atlas „Bedrohte Sprachen“ vorstellt.

Das Werk soll im März in gedruckter Form erscheinen, im Internet lässt sich jetzt bereits eine digitale Version finden. Schon ein schneller Blick auf eine Karte der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zeigt, dass überall auf der Welt Sprachen und Dialekte vom Aussterben bedroht sind.

Auch Deutschland wird in diesem Atlas aufgeführt. Hier gelten als besonders gefährdet das Saterfriesisch mit 2000, das Nordfriesisch mit 8000 und das Sorbisch mit 45.000 Sprechern.

Das Friesisch, in Norddeutschland beheimatet, sprechen immer weniger Menschen flüssig. Friesisch wirkt auf viele Hörer aus dem Süden Deutschlands wie ein niederländischer oder deutscher Dialekt, ist aber eine eigenständige germanische Sprache. (Wie es klingt, kann man sich auf der Homepage der Wellenord des NDR anhören).

Was also tun, um vergessene Sprachen wieder zu beleben? Als wirksame Methode wird genannt:

Es werden einfach Senioren mit Kindern zusammengebracht, damit sie sich in der eigenen Sprache unterhalten. Solche Programme gibt es ebenso für Friesisch wie für Maori in Neuseeland und das Mohawk der Irokesen, einem Indianerstamm in Nordamerika.

Für den DaF-Unterricht und als DSD-Thema ist diese Thematik auch deshalb von großer Bedeutung, weil das Erlernen einer Weltsprache ein Teil des Problems ist:

Dem Erhalt seltener Sprachen stehen häufig auch ganz praktische Gründe entgegen: Die Dominanz der Weltsprachen Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch führt zu einem starken Druck auf Minderheitensprachen. Viele Eltern unterhalten sich ganz bewusst in der Amtssprache ihres Heimatlandes mit ihren Kindern, damit diese an der Schule, an der Universität oder im Beruf später keine Nachteile haben.

Siehe auch;