Im Fokus: H5P-Übungstypen im DaF/DaZ-Kontext


Nachtrag zur gestrigen Online-Fortbildung zu H5P im DaF/DaZ-Unterricht.


Ausgehend vom Lernziel sind bei der Aufgabenerstellung unterschiedliche Entscheidungen zu treffen.

  1. Ist zu deinem Lehrziel der passende Fragetyp ausgewählt?
  2. Ist es vielleicht sinnvoll, Fragetypen zu kombinieren? (Abwechslung)
  3. Sind deine Fragen für die Niveaustufe verständlich? Sind die Fragen klar und prägnant formuliert.
  4. Hast du realistische Antwortoptionen gewählt?
  5. Ist dein formuliertes/programmiertes Feedback hilfreich, verständlich (kurz und bündig, kein Englisch, Sprachniveau entsprechend, eventuell in der Muttersprache – A1)
  6. Gibt es zusätzliche Ressourcen zum Weiterlernen?

Die Auswahl des passenden Fragetyps und die sinnvolle Kombination unterschiedlicher Fragetypen setzt voraus, dass man sich über das Potential aber auch über mögliche Probleme, die auftreten können, im Klaren ist. Deshalb habe ich hier einige Übungstypen von H5P für den DaF/DaZ-Unterricht kurz beschrieben. Die aufgeführten Übungen sind meist geschlossene oder halboffene Übungstypen. (Bei einem späteren Beitrag werde ich auch offene Aufgabentypen präsentieren.) Nur der Übungstyp Freitextantwort bildet hier eine Ausnahme. Zur Orientierung habe ich noch einmal das Lernfeldermodell eingefügt, um für den ausgewogenen quantitativen Einsatz solcher Übungen (meist Automatisierung) zu sensibilisieren.

Nach dem Lernfeldermodell / Four Strands  (Nation/Newton 2009)

Multiple Choice und Multiple Response (Mehrere Antworten) / Ja/Nein-Fragen

Ziel: Die Lernenden sollen Informationen erkennen oder die richtigen Antworten aus einer Reihe von Optionen auswählen.

H5P-Formate:

Einsatzmöglichkeiten:

  • Lese- Hör- Hör/Seh- Verstehen
  • Wortschatz vermitteln/ üben / testen
  • Grammatik üben und testen
  • Tests / Bewertungen

Beispiel:

Problem: Lernende erraten oft die richtige Antwort, indem Sie die falschen Antworten eliminieren.

Tipps: Verwende möglichst plausible falsche Antworten oder nutze Multiple-Response-Fragen, da die Lernenden schwerer erraten können, wie viele der Auswahlmöglichkeiten korrekt sind.

Interaktive Lernbilder: Hotspot-Fragen oder Input durch Hotspots

Ziele:  Lernenden sollen einen bestimmten Bereich oder Punkt auf einem Bild finden/auswählen.

H5P-Formate:

Einsatzmöglichkeiten:

Wortschatz / Grammatik / Bewertungen / Bildbeschreibung / „Seh“- Verstehen / Interaktive Lernwelt (Ausgangspunkt für WebQuest, Recherche oder Stationenlernen)

Vorteil: H5P Bildanwendungen sind sehr leicht anpassbar und bieten eine gute Qualität. (Meiner Meinung nach besser als LearningApps)

Mögliche Alternativen: sind Thinklink (kann auch app-basiert verwendet werden, ist aber teilweise kostenpflichtig) und LearningApp (Die Qualität der Bilder wird sichtbar schlechter.) und Quizlet. Hier einige Beispiele: Interaktive Schaubilder mit LearningApp, Beispiel: Haus: https://learningapps.org/3362876  , mit Thinglink, Beispiel: Das Gemüseregal: https://www.thinglink.com/scene/1013512350826758147 … , mit Quizlet: Transportmittel https://quizlet.com/217988546/transportmittel-diagram/

H5P-Beispiel 1:  Wortschatz Input – Das interaktive Bild kann selbstständig solange gelesen werden, bis man einen Test bestehen kann

Tipps: Hotspot-Fragen und -Inputs können Schüler schnell und sinnvoll erstellen und damit üben.

  • Unbedingt den Artikel bei Nomen verwenden.
  • Wer Hördateien auf Hotspotbildern nutzen möchte, sollte Thinklink verwenden.  Ansonsten geht auch, wenn man die Hördatei als Video aufnimmt.

Beispiel: Input zum Thema Mehrsprachigkeit, Europäische Sprachen – Hotspot mit Videos auf der Europa Karte Dieses Beispiel zeigt, dass mit dieser Anwendung projektorientierter Unterricht möglich ist: So geht es: 4 Schulen teilen sich einen H5P Zugang. Sie erstellen für ihr Land einen Hotspot mit einem Video. Sie nehmen dafür eine kleine Lektion als Video auf: “Wie begrüßt man sich bei uns!

Drag-and-Drop-Fragen

Ziel: Mit dieser Übungsform lassen sich Wortschatz, Grammatik, Landeskunde (Fakten) abfragen. Es sind geschlossene Übungen, die also nur eine Lösung zulassen.

Problem: Wenn Lerner sich mit dieser Übungsform unterfordert fühlen, kann es schnell zu Demotivierung führen und der Lerneffekt liegt dann bei „0“.

H5P-Formate:

Mit H5P lassen sich 4 Untertypen erstellen

  • Typ 3“Reihenfolge”: Lernende sollen priorisieren, Elemente in die richtige (zeitliche oder körperliche) Reihenfolge zu bringen, Inhalte bewerten oder einstufen sollen.
  • Typ 5 “Platzierung”: Lernenden sollen Objekte an eine bestimmte Stelle platzieren. (ähnlich Kategorisierung,)

Lückentext-Fragen (H5P-Typ: Fill in the Blanks)

Ziele:

  • Wortschatzebene:
    Lernende sollen Informationen im Kontext abrufen. Begriffe müssen logisch / lexikalisch passen, damit das Verständnis des Textes funktioniert.
  • Grammatikebene:
    Zeitformen, Endungen, Artikel müssen korrekt verwendet werden.

Tipp
Der Fragetyp erfordert genau die gleiche Antwort. (gleiche Wortwahl, genaue Schreibweise, nur die eine grammatikalische Lösung) usw., aber einige Tools lassen auch Alternativen zu, was zum Beispiel auf der lexikalischen Ebene wichtig sein kann.

H5P-Format: Fill in the Blanks

Beispiel:

Wie wurde diese Aufgabe erstellt?
Das schreibt man: *die* Dominikanische Republik, *die* Seychellen, *die* USA,

und mit #Tipp

Woher kommst du?

Ich kommen aus *dem:Achte auf den Artikel "der Iran" und auf die Präposition "aus" + Dativ* Iran. Und du?

Beispiel 2: Rechtschreibung:
Oft wird auch die korrekte Schreibung überprüft.

Flashcards: Thema Familie, A1, lernen

Offene Fragen bzw. Freitexteingabe / „Freispracheingabe“

Ziele:

  • umfangreichere Antworten, wie zum Beispiel:
  • die Textproduktion (Briefe, E-Mails, WhatsApp usw.)
  • Verstehens-Fragen eines Textes
  • Rechercheaufgaben mit Inhaltsangaben
  • Textproduktion: Erörterung
  • Sammeln von Ideen, Assoziationen usw.

Diese Aufgabe ist so eingestellt, dass der Schwerpunkt “Perfekt” zurückgemeldet wird. Probieren Sie es aus.

Link zur Übung

Probleme:

  • Die Fragen können nicht (oder nur eingeschränkt) automatisch korrigiert werden.
  • Die Erstellung als H5P ist sehr aufwendig und nicht immer in der Korrektur eindeutig.
  • Obwohl dies ein “Freitext” ist, kann man durch die Korrektureinstellungen nur von einer halboffenen Übung sprechen.

Tipps:

Bestimme genau, was du von dieser Aufgabe erwartest (Erwartungshorizont)

Formuliere wenn möglich Referenztexte

Gib Wortschatz vor (Wortschatz auf einer Liste, in einer Wortwolke usw.)

Eventuell bestimme die Zeitform (A1,  A2)

Eventuell weiße auf die Grußformeln in einem formellen oder informellen Schreiben hin.

Freitext sprechen

  • Der Lerner erhält eine Aufgabe / Impuls.
  • Er spricht allein oder mit anderenzu diesem Thema.
  • Der Monolog oder das Gespräch wird aufgenommen.
  • Die Aufnahme kann erneut abgespielt oder downgeloadet werden.
  • Der Lehrende kann die Aufnahme im Plenum oder in einem persönlichen Beratungsgespräch analysieren und eventuell weitere Übungen geben.

Hier ein Beispiel: Tonaufnahme zum Thema “Gemüse”

Morgen werde ich hier noch 3 weitere Übungsformen vorstellen

  • Schreiben nach Hören – Das Diktat
  • Mit Dialogkarten üben
  • Spielerische Quiz-Formen

Hilfreich ist es auch bei der Aufgabendurchführung den geplanten Prozess zu reflektieren. Hilfreich können dabei folgende Fragen sein:

  • Ist die digitale Übung sinnvoll in den Unterrichtskontext eingebettet? (Gelingt die “Verzahnung” auf das Lernziel – Aufgabe, die Sitz im Leben hat –  hin)
  • Wird mehrkanaliges Lernen (Hören, Sehen) angeboten, so dass wirklich meine unterschiedlichen Lerner davon profitieren? (ebenso Lerntypen, Lerngewohnheiten, Binnendifferenzierung –
  • Ist eine freie Auswahl / bzw. flexible Handhabung der Übungen seitens der Lerner möglich?)
  • Ist informelles Lernen möglich? Kann auch außerhalb des Unterrichts mit den Übungen barrierefrei gearbeitet werden? Motiviert die Aufgabe für eine solche Weiterarbeit bzw. zu einer Adaption der Aufgabe von Seiten des Lerners in einem anderen Kontext?

Links:


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