Paradigmenwechsel.

Ich habe lange nicht mehr so einen guten Blog-Artikel gelesen. Jean-Pol Martin beschreibt darin seinen Werdegang als Pädagoge, Wissenschaftler und Mensch. Das spannende daran ist zu sehen, wie alles im Leben zusammenwirkt. Die eigene Sozialisation, historische Ereignisse, wissenschaftliche Veränderungen und persönliche Erlebnisse verknüpft Martin zu einer Zeitreise durch Gesellschaft, Wissenschaft und Schule der letzten 50 Jahre.
Wer verändert diese unsere Welt? Das sind solche Menschen wie er, die Lust haben, andere Wege zu gehen, offen sind, sich und ihr Umfeld zum Guten zu entwickeln und die auch nach Rückschlägen nicht aufgeben. Mich erinnert sein Weg an Hölderlins Spruch „Komm ins Offene Freund!“. Jeder angehende Lehrer sollte sich bewusst sein, dass seine Arbeit, sein (Nicht-)Engagement, seine (nicht-) ehrliche Reflexion und seine Professionalität nicht nur Auswirkungen auf das eigene Leben oder Persönlichkeit hat.

Ich würde mir wünschen, dass aus dem noch fragmentarischen Blog-Artikel ein Buch entstehen könnte, dass nicht nur die Methode „Lernen durch Lehren“ oder das Menschenbild („Glücksmodell“) beschreibt, sondern auch zeigt, welchen Einfluss wir als Individuen auch in einer weiter zunehmend unübersichtlichen Welt haben.

Das macht Mut, nicht nur zukünftigen Lehrern.

 

 

Jean-Pol Martins Weblog

Dies ist die Beschreibung meiner Paradigmenwechsel seit meiner Jugend bis heute: politisch mit dem Wechsel von rechts nach links, didaktisch mit der Entwicklung der Unterrichtsmethode „Lernen durch Lehren“, anthropologisch mit meinem „Glücksmodell“ und philosophisch mit dem Entwurf eines modernen Katalogs zu den Menschenrechten. 

Von rechts nach links

Geboren wurde ich 1943 in Paris. Frankreich stand unter deutscher Besatzung. Meine Familie mütterlicher Seite war – als Kleinindustrielle – wohlhabend und hatte das für den französischen Mittelstand entsprechende Bewusstsein: wir waren etwas Besseres. Mein Großvater und die Brüder meiner Großmutter waren Helden im ersten Weltkrieg gewesen, alle hatten die Legion d’Honneur. Die Deutschen wurden von dieser Generation zwar „Boches“ genannt, ein Schimpfwort, aber sehr geachtet als Soldaten.

Weniger geschätzt waren die Juden und die Kommunisten, die – als vaterlandlose Verräter – Frankreich in die Katastrophe geführt hatten. Ich war sehr oft bei meinen Großeltern, die ein großes Haus mit Garten in der…

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