Augen in der Großstadt – Ein Workshop mit iPad und vielen kreativen Schülern

iPads im DaF-Unterricht einzusetzen ist nichts Neues. Ich hatte es bis jetzt noch nicht ausprobiert. Die Gelegenheit dazu bekam ich letzte Woche am Goethe-Institut in Zagreb, wo ich gemeinsam mit Matthias Baumann aus Freiburg einen zweitägigen Schülerworkshop mit iPads organisierte und durchführte.

iPad im Einsatz
iPad im Einsatz

Am Workshop nahmen 21 Schüler aus 8 kroatischen PASCH-Schulen teil, die durch den internationalen PASCH-Klangstraßenwettbewerb dafür ausgewählt wurden. Als Wettbewerbsaufgabe sollten die Schüler Bilder, Töne und Videos von charakteristischen Plätzen ihrer Stadt oder ihres Dorfes produzieren und beschreiben.
In Zagreb sollten die Teilnehmer nun etwas Gemeinsames produzieren, das die kroatische Hauptstadt in den Mittelpunkt stellt und auf dem internationalen Sommercamp in Izmir (9 der besten Wettbewerbsteilnehmer werden in Izmir dabei sein.) präsentiert bzw. weiterverwendet werden kann.
Da das Institut erst kürzlich iPads angeschafft hatte, lag es nahe, diese für das Projekt zu nutzen. Matthias und ich planten die iPads zur Aufnahme des digitalen Materials (Geräusche, Bilder, Filme, Musik, gesprochene Texte) zu nutzen und anschließend imovie zu verarbeiten. Wir sind davon ausgegangen, dass der Umgang mit iPads leicht zu erlernen ist und sich das Programm imovie intuitiv bedienen lässt, was sich im Laufe des Workshops auch bestätigte. 20150528_122334_resized
Trotzdem planten wir eine längere Einarbeitungsphase, bei der auch Zagreb und seine für das Projekt interessante Orte im Mittelpunkt standen, da die meisten Teilnehmer nicht aus der Hauptstadt kamen.
Das Sprachniveau der Schüler bewegte sich von A2 bis C1, der Großteil der Schüler war auf B1. Die Arbeitssprache war Deutsch bzw. zwischen den Schülern auch Kroatisch, wobei sich die Schüler untereinander besonders bei der Erarbeitung des Gedichts geholfen haben. Die Schüler waren hochmotiviert, was die Arbeit sehr erleichterte und allen richtig Spaß gemacht hat.

Nach dem Kennenlernen und der Erläuterung der Aufgabe und einer kurzen Einführung in das iPad ging es raus in die Stadt. Ihre erste Aufgabe war es Material für ein sogenanntes Klangrätsel zu sammeln. Dieses Rätsel sollte in kleinen Schritten an einen Ort in Zagreb heranführen. Durch aufgenommene Töne, Fotos und Videos, einer kurzen (gesprochenen) Beschreibung eines oder mehrerer typischer Merkmale des gesuchten Ortes sollte die Lösung langsam erschlossen werden können.

Stadführung
Stadtführung

Für den inhaltlichen Teil organisierten wir eine Führung durch Zagreb. Im Vorfeld besprachen wir mit der deutschsprachigen Fremdenführerin, welche Orte sich für das Projekt eignen würden. Thematisch orientierten wir uns an dem Klangstraßenwettbewerb. Hier sollten die Schüler Plätze zu Themen finden wie: „Dieser Ort lebt“, „Dieser Ort ist tot“, „Das ist die Zukunft“, „Hier wohnt das Glück“ usw..
Das aufgenommene Material wurde nach der Rückkehr bearbeitet und präsentiert. Dabei stand der Umgang mit dem iPad-Programm imovie im Mittelpunkt. Bilder sollten nicht nur einfach eingefügt, sondern auch bearbeitet und verfremdet werden.
Die Ergebnisse können sich als erstes Produkt sehen lassen.

Hier ein Beispiel:

Zur Präsentation der Ergebnisse nutzten Apple TV, über das sich von jedem iPad aus Film und Ton streamen lies. (Dank an Axel Krommer, der in Zagreb dazu mehrere Workshops gehalten hat.)

Am zweiten Tag stand die multimediale Umsetzung des Gedichts von Kurt Tucholsky „Augen in der Großstadt“ im Mittelpunkt. Das Gedicht fanden wir besonders geeignet, weil es trotz seines Alters, auch heute noch sehr aktuell erscheint. Wir waren gespannt, wie die Themen des Gedichts von kroatischen Jugendlichen im Jahre 2015 gesehen werden. Die Aufgabe bestand darin, den Text multimedial umzusetzen und dabei Zagreb zu präsentieren.

20150528_090944_resizedZur Vorentlastung hörten und lasen die Schüler die Texte. Danach sollten sie, das was sie verstehen konnten, in Gruppenarbeit auf Plakate festhalten (Wörter, Zeichnungen). Durch Wirbelgruppen wurden dann die Ergebnisse verglichen und ergänzt und anschließend im Plenum das Gedicht besprochen. Die von den Schüler ausgewählten Themen wurden dann von ihnen auf ein Story-Board gebracht, auf dem auch die Ideen festgehalten wurden, wo, welches Material aufgenommen werden könnte. Danach ging es auf einen Spaziergang durch Zagreb, das den Schülern bereits durch die Stadtführung des vergangenen Tages vertrauter geworden war.
Viele der Ideen sind dann hier auch spontan entstanden. Einige Gruppen inszenierten kleine Szenen, andere verarbeiteten nur Fotos oder Filme. Die Bandbreite der Umsetzung war interessanter Weiße groß. Eine Gruppe entschloss sich, mit mitgebrachten Instrumenten und Klangaufnahmen aus dem Gedicht ein Lied zu erstellen.
Bei der Bearbeitung war zu beobachten, dass die Schüler auf ihre Erfahrungen des Vortages zurückgriffen und zum Beispiel Probleme mit dem Ton vermieden, unterschiedliche Perspektiven aber auch Farben ausprobierten und das Heranzoomen bewusst einsetzten.

Da einige Gruppen ihre Arbeit früher als andere beendeten, bekamen diese eine zusätzliche Aufgabe, einen „PASCH-Trailer“ zu erstellen, was viele auch mit Begeisterung taten. (Dank imovie ein Kinderspiel).

Alles in allem waren die Schüler und wir als Organisatoren und Workshopleiter mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Ich würde iPads jederzeit wieder für Projekte aber auch für einzelne Unterrichtsstunden einsetzen. Eine Sammlung mit Anregungen findet man hier.

Auf folgende Punkte werde ich das nächste Mal besonders achten bzw. da müssen wir noch weiter nachdenken. Für die Sicherung der Ergebnisse (Filme waren um die 150 MB), brauchen wir Alternativen. Die W-LAN Verbindung war sehr langsam, aber auch AirDrop brauchte zu lange, so dass wir die Daten auf gute alte Windows Computer gespielt haben, bevor es dann über LAN auf Google Drive ging

Unbedingt müssen wir darauf achten, dass die iPads zwischendurch aufgeladen werden. Irgendwann kommt der Punkt wenn man sie unbedingt braucht, aber das Akku sich verabschiedet hat.

Vom 20. Juli bis 2. August 2015 werden die besten 9 Wettbewerbsteilnehmer aus Kroatien am internationalen PASCH-Sommercamp „Klangstraße“ in Izmir teilnehmen. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Weiterführende Links:


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