Internationaler Linkshändertag

Das es diesen Tag gibt, war mir nicht bekannt. Ich bin durch einen Artikel der online Ausgabe der taz darauf gestoßen:

Am nächsten Freitag, den 13. August, ist internationaler Linkshändertag. Der Amerikaner Dean Campbell hat ihn 1976 ins Leben gerufen, um auf die Diskriminierung und die Bedürfnisse der Linkshänder hinzuweisen. In gewisser Weise ist das auch ein Tag für Ludwig van Beethoven, Paul McCartney, Bob Dylan, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Leonardo da Vinci, Johann Wolfgang von Goethe, Bill Gates, Isaac Newton, Bill Clinton und Barack Obama. Sie alle sind oder waren schließlich Linkshänder.

Beim Lesen des Artikels musste ich mich daran erinnern, dass ich in der Grundschule gezwungen wurde, mit der rechten Hand zu schreiben. Bis heute habe ich diese Tortur nicht vergessen. Viele Dinge erledige ich weiterhin mit links. Deshalb  fand ich den Artikel in der taz besonders interessant, weil er auch darüber informiert, dass viele nicht wissen, dass sie Linkshänder sind:

Wenn Sie von diesen zehn Tätigkeiten fünf automatisch mit links machen, kann es gut sein, dass Sie eigentlich Linkshänder sind: Zähne putzen, unterschreiben, Brot streichen, Blumen gießen, Kartoffeln schälen, greifen, kleine Gegenstände aus einem Gefäß nehmen, Nägel feilen, Tisch wischen, Streichholz anzünden. Wer es genauer wissen will, kann sich von Experten testen lassen.

Immerhin sollen 10 bis 15 Prozent aller Menschen Linkshänder sein. Mit der Methode meiner Umschulung hatte ich wahrscheinlich noch Glück:

Lehrer und Eltern banden linke Hände der Kinder auf den Rücken, gipsten sie ein, stülpten e darüber. Alles bloß, damit das Kind nicht seiner natürlichen Prägung folgen kann.

Links/Rechts
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Leftright.jpg

Als Diskussionsthema eignet sich das Problem nicht nur wegen der erwähnten Methoden, sondern auch, weil die Diskriminierung der Linkshänder im Alltag immer noch aktuell ist. Ich finde es besonders aus interkultureller Sicht interessant: Wie geht man in deinem Land mit Linkshändern um? (Und warum?) In Wikipedia findet man als Erklärung:

Häufiger hat eine Umerziehung jedoch kulturelle Ursachen (beispielsweise durch die zur Begrüßung verwendete rechte Hand). Dies trifft weltweit zu: So gibt es in arabischen Kulturen ein schweres Stigma gegen Linkshändigkeit, dessen Ursachen viele Jahrhunderte in der Vergangenheit liegen und einen zum Teil pragmatischen Grund haben. In der arabischen und in anderen Kulturen wird die Reinigung nach dem Stuhlgang üblicherweise direkt mit der linken Hand und Wasser ausgeführt. Dies führte zu der Betrachtung der linken Hand als unrein; sie wird daher nicht zum Essen oder für soziale Kontakte eingesetzt.

Über Deutschland wird folgendes gemeldet:

Die Diskriminierung der mindestens acht Millionen Linkshänder in Deutschland findet nun subtiler statt: Kaum ein Haushaltswarenladen bietet Messer, Saucenlöffel, Korkenzieher oder Dosenöffner für Linkshänder an. Größere Drogeriemärkte verkaufen zwar Linkshänderblöcke und -stifte. Lineale, Spitzer und Geldbeutel für Linkshänder gibt es dort jedoch selten. Und dass Stifthersteller ganz selbstverständlich sowohl eine Version für Rechtsschreiber als auch eine für Linksschreiber anbieten, scheint bisher die Ausnahme zu sein. Quelle

Auch in der Schule besteht das Problem noch:

Oft haben linksschreibende Kinder so sehr Angst, anders zu sein, dass sie heimlich umtrainieren.

Also ein lesenswerter Artikel: Das Ende des Rechtsdrills! Lassen Sie doch mal die Schüler eine Stunde lang alles mit der linken Hand machen und über ihre Beobachtungen berichten. 🙂 Aber auch folgende These könnte für den Unterricht interessant sein:

In der Literatur werden mitunter Linkshändern besondere Eigenschaften zugeschrieben, die bei ihnen statistisch gesehen stärker ausgeprägt sein sollen als bei Rechtshändern. Genannt wird etwa, dass Linkshänder im Durchschnitt intelligenter seien als Rechtshänder. Insbesondere in der populärwissenschaftlichen Literatur wird die mit der Händigkeit einhergehende Dominanz jeweils einer bestimmten Gehirnhälfte mit statistisch vorherrschenden Stärken, Schwächen und Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung gebracht. Auch wird angenommen, dass Linkshänder kreativ denken und handeln, während Rechtshänder in der Mehrzahl eher rational vorgehen. Quelle

Links:

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