Deutsche und Schweizer

Ja, ich muss ehrlich zugeben, ich mag sie auch, die Schweizer. Bis jetzt habe ich (fast) nur sympathische Eidgenossen getroffen. Auch das Minarettverbot hat daran nichts geändert. Wie ich jetzt aber erfahren musste, beruht diese Sympathie auf einem Missverständnis:

Die Deutschen, bei deren Umgangsformen die Höflichkeit nicht zuvorderst steht, unterliegen dem Fehler, die schweizerische Höflichkeit als Freundlichkeit zu interpretieren. Daher kommt die Begeisterung der Deutschen für die Schweiz.

Diese These stammt von dem Schriftsteller und Kabarettisten Andreas Thiel, der meint, dass die Deutschen  die Schweizer einfach nicht kapieren:

„Die Deutschen haben ein konfrontatives Gesprächsverhalten. Was ein Deutscher sagt, klingt in unseren Ohren oft wie ein Befehl. In der Schweiz hingegen pflegt man die permanente Deeskalation.“

Wunderbar das folgende Beispiel:

„Und die geht so: „Ein deutscher Freund fragt mich in der Beiz: ‚Noch ein Bier?‘, um dann nach einem kurzen ‚Ja‘ meinerseits folgende Bestellung aufzugeben: ‚Noch zwei Bier!‘ Schweizer hingegen deeskalieren Frage, Antwort und Bestellung präventiv: ‚Was meinsch, sölle mer ächt no eis näh?‘ – ‚I gloube, s chönnt nüt schade…‘ – ‚Mir numte de äuä no eis.'“

Über folgenden Vergleich musste ich wirklich schmunzeln, da er auch meine Erfahrung widerspiegelt:

Deutsche nageln sich gegenseitig grammatikalisch fest. Deutsche sind für Schweizer verbale Bodybuilder. Wenn ein Deutscher seinem Schweizer Gesprächspartner vorhält: «Dies hast du gesagt!», und der Schweizer erwidert: «Ja, aber ich habe das gemeint . . .», dann beharrt der Deutsche auf seinem Standpunkt: «Nein, du hast es so gesagt!» Da kommt im umgekehrten Fall der Deutsche dank der schweizerischen Deeskalationsmischtechnik viel besser davon: «Hast du vorhin nicht dies gemeint?» – «Nein, ich habe das gesagt!» – «Ach, so hast du das gemeint . . .»

Nachzulesen ist dieser wunderbare Artikel in der www.weltwoche.ch: Schätze der Konsenskultur (Natürlich stammen die Zitate auch aus diesem Text.)

Aber wie schon oben erwähnt: Ich mag sie trotzdem!

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Veröffentlicht in DaF

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