Deutsche Gesichtsbehaarung

aus: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Grabstein_Hans_Steininger.jpg&filetimestamp=20060411180502
Grabstein Hans Steininger aus: Wikipedia (unbeschränktes Nutzungsrecht)

Angeregt durch den Artikel in Zeit-Online habe ich mich entschlossen dieses Thema etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Bart als solcher ist ja kein normales Landeskundethema, was ich nach dieser Recherche schade finde, denn die Ansicht darüber, was mit dem Bart zu geschehen habe,  unterscheidet sich von Kultur zu Kultur (natürlich auch Religion) beträchtlich.

Mit einem Bart kann man je nach Zeitgeist eine politische Haltung ausdrücken, aber auch die herrschenden gesellschaftlichen Normen spiegeln sich in der Kultur des Bartes wider. So sah man in früheren Zeiten den Bart als Zeichen der Kraft und als Zierde der Männlichkeit. Danach galt die Barttracht oft als Zeichen von Ungepflegtheit oder Fremdheit.

Der Zeit-Online-Artikel Haarige Sache: Die Geschichte des Bartwuchses in Deutschland beschäftigt sich mit folgender These:

Blickt man zurück in die Geschichte der deutschen Gesichtsbehaarung, erkennt man ein deutliches Muster: Je bärtiger, desto radikaler.

Der Artikel nimmt uns mit auf eine Reise durch 150 Jahre deutscher Bartkultur. Diese These lässt sich meiner Meinung nach auch im umgekehrten Sinn nachvollziehen. Man findet Beispiele bei der Charakterisierung literarischer Figuren,  (Wie etwa „Der Untertan“ im gleichnamigen Roman von Heinrich Mann, der mit seinem Bart seine Loyalität für Wilhelm II. demonstriert. [Aus Wikipedia]);

Robert Mugabe, president of Zimbabwe

oder man erinnert sich an gewisse Personen mit Oberlippenbärten.😦 (Siehe rechts)

Auch kann der Bart heute eine soziale Funktion haben, so erklärt der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck in einem Interview, dass er erwäge, sich für eine Million Euro von seinem Bart zu trennen: „Die Aktion muss wirklich Hilfsbedürftigen helfen.“

Landeskundlich interessant ist auch, dass Deutschland in den letzten Jahren oft erfolgreich an Bartweltmeisterschaften teilgenommen hat:  Die Bart-Weltmeister 2007

Für diese Meisterschaften gibt es spezielle Bartkategorien und Bartklassen. Aktuell steht die Internationale Deutsche Bartmeisterschaft an, zu der 150 Teilnehmer erwartet werden.

Hier nun einige sprachliche Verweise zum Thema „Bart“:

Spruch: „Jemandem um den Bart gehen“ bzw. „Honig um den Bart zu schmieren“ meint, ihm zu schmeicheln.

aus http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Baerte.jpg&filetimestamp=20040903012315

Verschiedene Bedeutungen (aus Wiktionary: Bart):

[1] Haarbewuchs im Gesicht

[2] an Schlüsseln derjenige Teil, der zum Schloss passen muss

[3] Technik: soviel wie Grat oder Gussnaht

[4] im Orgelbau zwei Stücke aus Blech, durch deren Ein- oder Auswärtsbiegung eine Orgelpfeife gestimmt wird[5] ein Aufwind im Segelflug

Herkunft:

[1] althochdeutsch bart, von indogermanisch *bhardh-, dieses von *bhres/bharesSpitze, Borste“ „

Eine sehr ausführliche Darlegung des Themas: „Zur Kulturgeschichte des Bartes von der Antike bis zur Gegenwart“: Dokument als pdf – (Dissertation Universität Hamburg 2005) Hier eine kleine Kostprobe:

Als Symbol der Lebenskraft durch sein immerwährendes Wachstum und als optisches Zeichen der Fortpflanzungsfähigkeit wurde der Bart für die visuelle Kommunikation instrumentalisiert und zum exponierten Kultsignal. Der Zweck dieser Körperveränderung war und ist, den Naturzustand in eine idealisierte Überrealität zu transformieren, um soziales Ansehen zu erlangen. Die bewusste Formgebung eines Bartes ist deswegen Ausdruck einer kulturellen Überhöhung.

Nun fehlt noch ein Bart, der auch in unserem Alltag eine gewisse Rolle spielt und nicht unumstritten ist: 1. der Dreitagebart:

(Er)  ist die Bezeichnung für einen sehr kurz gehaltenen Bart, bei dessen Pflege und Rasur nur ganz kurze Bartstoppeln stehen gelassen werden.

Ein Dreitagebart gilt heutzutage für viele als modisch, während bis etwa zu Beginn der 1980er Jahre ein unrasiertes (Männer-)Gesicht in der Öffentlichkeit noch als „ungepflegt und ungewaschen“ angesehen wurde. Populär und damit modisch wurde der Dreitagebart etwa 1983/84 durch internationale Stars, wie zum Beispiel den Schauspieler Don Johnson in der Fernsehserie Miami Vice, oder die Musiker Sting und George Michael, die beide während ihrer Konzerttourneen auf regelmäßige (tägliche) Rasur verzichteten.

Aus: Wikipedia: Dreitagebart

Dazu passt folgendes Lied: Die Ärzte-3 Tage Bart

Ein Glas Milch (GNU)

Zum Schluss noch eine schöne Metapher der deutschen Sprache – der Milchbart. Sie steht

für einen sehr jungen Mann mit erstem Bartflaum und spielt spöttisch auf die deutlich sichtbaren Milchränder an, die den Kindern beim Trinken auf der Oberlippe oder den Hautpartien um den Mund verbleiben.

Jetzt bleibt nur noch zu fragen: Wie wird das Gesicht der Zukunft aussehen?

Es könnte für Lerner besonders interessant sein, wenn sie eigene Bartkreationen entwerfen und mögliche Charaktereigenschaften zuordnen. Aber natürlich bietet das Thema genug interkulturellen Gesprächsstoff!

Dieser Artikel passt auch zum Thema:Deutsche Männer und Körperhygiene


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