Warum ein parkender Rettungshubschrauber angezeigt wurde

Die Welt ist so voller wunderbarer Geschichten. Und folgende (besonders nach der Ergänzung) eignet sich ausgezeichnet für den Unterricht.

Hinführung zum Thema:

  • Würden Sie einen parkenden Hubschrauber anzeigen? (hier: Etwas einer Behörde melden bzw. gegen jemd. eine Anzeige erstellen)
  • Beschreiben Sie einen Menschen, der so etwas macht. (Eigenschaften, Äußerlichkeiten)

Und hier ist er:

Nochmal die aktuelle Zahl aus der heutigen SPIEGEL-ONLINE Ausgabe:

Rund 20.000 Osteroder Falschparker, Gehwegblockierer und Telefonierer hat Nilges in den vergangenen vier Jahren zur Anzeige gebracht, heute kommt er im Schnitt auf zehn Anzeigen pro Tag.

Über die Reaktion der Mitbürger lässt sich auch gut diskutieren. Hier könnte ein fiktiver Dialog erarbeitet und gespielt werden.

Aus dem SPIEGEL:

Anonyme Anrufe gehen bei Nilges ein, Jugendliche bewerfen sein Haus mit Eiern, ein Leser schreibt an die Lokalzeitung „Harz Kurier“, man solle Nilges in ein Entwicklungsland schicken. Die Osteroder, für die Zusammenhalt so wichtig ist, haben die Höchststrafe verhängt: Knöllchen-Horst wird verstoßen.

oder

Der im Landkreis Osterode wirkende Horst-Werner Nilges ist ein Kandidat für das Bundesverdienstkreuz.

Aus: Weiter so, Horst Nilges! (Erschreckend einige Kommentare auf diese Veröffentlichung.)

Die Reaktion der  Medien:

Und die Welt bekommt es zu wissen: Zeitungen und Fernsehteams berichten über „Knöllchen-Horst“ als Phänotyp des deutschen Spießers, des unerträglichen Pedanten, für den Regeln mehr bedeuten als Menschlichkeit.

Zitat: SPIEGEL

Weitere Reaktionen:

„Phänotyp des deutschen Spießers“ und da wären wir auch schon im interkulturellen Teil der UE angelangt.

  • Was ist typisch für den deutschen Spießer?
  • Welcher Folgen hat/hatte Spießertum für den Alltag in Deutschland? (Historische Bezüge)

Und wie war das nun mit dem Rettungshubschrauber?

Es ist ein Spätsommertag, mittags, ein Viertel vor eins, als Horst-Werner Nilges auf der B 243 durch die Stadt Herzberg fährt. Er ist auf dem Heimweg, im Kopf formuliert er bereits Anzeige 5017, die er zu Hause schreiben will, denn Anzeigen schreiben ist ein Hobby von ihm. Da sieht er den Rettungshubschrauber, halb auf dem Gehweg an der vierspurigen B 243 landet er, die Rotorblätter rattern noch nach, eine Arztpraxis hat den Hubschrauber angefordert, ein Mann hatte einen Herzstillstand erlitten, muss schnellstmöglich in die Klinik nach Göttingen geflogen werden. Etwa 15 Minuten ist die Straße in Richtung Osterode abgesperrt.

Nilges steigt aus seinem Wagen, zieht seine Digitalkamera, eine Ricoh Caplio R4, macht ein knappes Dutzend Fotos.

(aus SPIEGEL-ONLINE: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,579622,00.html

Hier könnte man die Geschichte weiter schreiben bzw. lesen lassen.

oder

WAR ES DOCH ANDERS???

Das Blog Wie fährt der denn? deckt die Geschichte einer (Falsch)Meldung auf. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch den „Großen“ und „Seriösen“ nicht immer glauben darf und Gratulation für eine saubere Recherche: Weiter so, Horst Nilges!

Statistik, Lexik und WikiMindMaps

Leider kann Ihr Browser diese Grafik nicht anzeigen. Direkter Link zur Statistik „Konsens über Recht und Unrecht“

Als Spießbürger oder Spießer bezeichnet man abwertend eine Person, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung, Konformismus und starkem Bedürfnis nach sozialer Sicherheit auszeichnet. (aus Wikipedia)

Knöllchen:

Ordnungswidrigkeiten des ruhenden Verkehrs bei abwesendem Halter bzw. Fahrer werden durch einen Zettel kenntlich gemacht (umgangssprachlich auch Strafzettel, Bußzettel, Protokoll, Ticket oder Knöllchen genannt), der am Fahrzeug angebracht wird – die schriftliche Verwarnung folgt meist auf dem Postweg. (aus Wikipedia)

Hier ein Beispiel, wie das Ordnungsamt nicht vorgehen sollte:

Ergänzung vom 1. Oktober:

Nachtrag zum Thema “Falschparken in Deutschland”

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4 Gedanken zu “Warum ein parkender Rettungshubschrauber angezeigt wurde

  1. danke für die gute (und mutige) Arbeit! Die Reaktionen auf Ihren Artikel bieten neuen Stoff für eine Landeskunde-Stunde: Wie sieht das Rechtsempfinden der Deutschen wirklich aus? Was bedeutet der Rechtsstaat jedem einzelnen Bürger? Wie tolerant sind wir eigentlich????
    Bin schon auf die Antworten der Deutsch-Lerner hier gespannt. 😉

  2. danke fürs Ergänzen! Ich weiß, über Herrn Nilges kann man geteilter Meinung sein. Aber es ist in diesem Land hoffentlich keine Frage von Anzeigeverhalten oder Schuhgröße, ob Verwaltungen rechtswidrig handeln dürfen…

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