@bsolut? privat! Vom Tagebuch zum Weblog

Letztes Wochenende durfte ich an dem ZUM-Wiki-Seminar in Frankfurt a.M. teilnehmen. Nicht nur das Seminar, wo ich endlich die Wiki-Mitstreiter persönlich kennen lernen durfte, war eine Bereicherung, sondern auch eine Ausstellung im Museum für Kommunikation/ Frankfurt wird mir lange in Erinnerung bleiben. Durch Zufall (Flyer in der Touristeninformation) wurde ich auf die Ausstellung aufmerksam. Neugierig, wie man Bloggen in einem Museum darstellen könnte, ohne das es langweilig wird, machte ich mich auf den Weg.

Das Haus, am Mainufer gelegen, macht erst einmal einen sehr technischen Eindruck. Im unteren Teil befinden sich diverse Post- und Fernmeldegeräte, wie man sie auch aus anderen Museen kennt. Positiv ist mir gleich die Abteilung zum Basteln und Malen aufgefallen, die schon erahnen lies, dass hier nicht nur der rein „technische Geist“ zu Hause ist.

Meine Überraschung war groß, als ich den Ausstellungsbereich „@bsolut? privat!“ erreichte. Man „betritt“ die Ausstellung – auf kleinen Teppichteilen -, auf denen Tagebucheinträge von Kafka über Th. Mann bis hin zu Goethe festgehalten sind.

Lesend nähert man sich den eigentlichen Vitrinen. In diesen finden sich, nach unterschiedlichen Themen geordnet, Tagebücher ganz normaler Menschen. Der Umfang, das Design und auch der Inhalt sind so außergewöhnlich, dass man sich staunend von einem fesselnden Ausstellungsstück zum nächsten bewegt. Es besteht die Möglichkeit einige Bücher sitzend zu durchblättern und sich in die Gedankenwelt der oft schon verstorbenen Verfasser zu vertiefen. Bei vielen Tagebüchern hat mich die „Besessenheit“ ihrer Autoren sowohl abgestoßen als auch fasziniert. Erschüttert war ich von den Notizen eines NS-Häftlings, der auf Zigarettenpapier seine letzten Tage beschreibt und später damit hilft, seine Peiniger vor Gericht zu bringen. Natürlich darf man den Blogger Opa Gröner nicht vergessen, der seine Gedanken auf Holzklötzchen verewigte (wenn er sie nicht verbrannte).

Über die in der Ausstellung vorgestellten Blogs möchte ich mich nicht weiter auslassen. Geordnet sind sie nach Typen (Lebenswerke, Temporäre Tagebücher wie für eine Reise usw.), „Machart“ und „Überformung“. Hier einfach einige Links, die helfen könnten, sich ein eigenes Urteil zu bilden:

http://www.ankegroener.de

http://www.tageundjahre.de (sammelt DDR-Erinnerungen)

http://www.janseghers.de

Das hermetische Café

Miagolare

http://www.echo-online.de / „Intime Welt für alle“ (über die Ausstellung)

http://gaga.twoday.net/

Reisenotizen aus der Realität (Rainald Goetz)

Das Tagebuch im Unterricht: „In diesem Weblog findest du Projekte von Kolleginnen und Kollegen sowie Modell-Lerneinheiten des Anne Frank Hauses.“

Elsa Seefahrt: http://www.elsa-seefahrt.de

Am Ende der Ausstellung, so muss ich gestehen, kam dann doch noch der Lehrer in mir durch.

Könnte man die Satzzeichen „?“ und „!“ – „@bsolut?privat!“ nicht einfach neu zuordnen? Welcher Sinn entsteht in unserer vernetzten Welt, wo alle alles mitlesen können und sollen? Ist der Narzissmus im Alltag eine Gefahr oder eine Chance? Die Auseinandersetzung mit dem Problem „@bsolut! privat?“ hat mir am Ende doch (etwas) gefehlt.

Aber es gibt ja noch die Blogger. So konnte ich in der Ausstellung folgenden, gerade ins Netz gestellten, Blogbeitrag „absolut privat?“ des Blogs Moving-Target.de lesen …

Bis zum 14. September hat man noch die Möglichkeit die Ausstellung zu besuchen. Wer kann, sollte das tun!

(Wer es nicht kann, muss sich mit der Bildergalerie aus „DERWESTEN“ begnügen.)

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4 Gedanken zu “@bsolut? privat! Vom Tagebuch zum Weblog

  1. Das ist eine Layout-Lösung unseres Kataloggrafikers. Durch die gewollte Kombination von Druck- und Schreibschrift entstanden. Das Absolut? ist wie ein Kommentar über das Privat! gesetzt, also zeitlich später gedacht und stellt damit -kausal- das Privat in Frage.

    Das hat also mit einer attrakiven grafisch/visuellen Umsetzung zu tun. Abgesehen vom Cover (schauen sie in den Flyer hinein) wird immer im Geschrieben der Titel mit der !?-Kombination genommen. Auch in der Ausstellung selbst ist das so.

  2. Danke für den Hinweis. Es stimmt, auf Ihrer Seite sind die Satzzeichen in der Reihenfolge „@bsolut privat!?“ gesetzt, aber auf dem Deckblatt des oben verlinkten Fleyers des Museums und auch auf dem Begleitbuch ist die Reihenfolge: „@bsolut?privat!“ Warum?

  3. Die Satzzeichen sind anders geordnet. Die Ausstellung heißt nämlich „Absolut privat!?“. Das Ausrufezeichen steht für bestehende Tagebuchklischees. Das Fragezeichen ist das, was in der Ausstellung durchgespielt wird. Nämlich das Infragestellen des Klischees.

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